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Wahlkreis 71: Ulrich Petzold (CDU) setzt sich für Verknüpfung von Ökologie und Ökonomie ein

Rastlos auf der politischen Bühne

WITTENBERG/MZ. Nach 15 Jahren im Deutschen Bundestag könnte man den einen oder anderen markigen Spruch von Ulrich Petzold erwarten. Pustekuchen. "Die breite Masse will kein Kasperletheater. Die Menschen haben Fragen und suchen Antworten", sagt er. Dass es im lauen Wahlkampf an Inhalten mangelt, wie landauf, landab kritisiert wird, findet der schlaksige Christdemokrat nicht. Petzold hat sichtlich Spaß. Die Augen funkeln, die Stimme wirkt entschlossen. Der 57-jährige Selbitzer, Direktkandidat der CDU im Wahlkreis 71, spricht von einer großen Vorfreude auf den 27. September und einem Kribbeln, "das man wohl nie verliert, egal wie lange man in diesem Laden schon dabei ist".

Bei Petzold sind es 20 Jahre. 1989 trat er in die Union ein und schlitterte im Eiltempo auf die große politische Bühne. Der CDU-Kreisverband Gräfenhainichen schickte ihn ins Rennen, und der Familienvater schaffte auf Anhieb den Sprung in den ersten gesamtdeutschen Bundestag nach der Wiedervereinigung. Seitdem hat der Diplom-Ingenieur angesichts der Sachzwänge so manche Illusion begraben. Heute lächelt er über den ungestümen Nachwuchs in den Parteien, "wenn ich höre, was unerfahrene Kandidaten so alles verändern wollen". Die Realität verlange Kompromissbereitschaft. "Und Verantwortung bekommt man nur übertragen, wenn man sich ihr stellt."

Petzold, Hobby-Imker aus Leidenschaft, punktet als ehrliche Haut und Fleißbiene. Seit 20 Jahren sitzt er im Selbitzer Gemeinderat; auch dem Wittenberger Kreistag gehört er an. Omnipräsenz wird zu seinem Markenzeichen. Petzold ist scheinbar überall, hetzt von Termin zu Termin, belastet sich und seine Gesundheit, bis der Körper die Reißleine zieht. Den CDU-Kreisvorsitz gibt er 2006 ab und tritt fortan etwas kürzer. Sein lokales Engagement bleibt. "Ich muss wissen, wie sich die Gesetze auswirken, die wir in Berlin beschließen. So etwas erfährst du nicht am Schreibtisch", sagt er.

Bundespolitisch wird die Verknüpfung von Ökologie und Ökonomie sein Steckenpferd. Als Berichterstatter versorgt er die Fraktion mit Informationen zu Fluglärmschutz und den Bundesgewässern; ein Themenfeld, das Petzold auch nach dem 27. September gern weiter beackern würde. Einen Schwerpunkt sieht er bei der Energieversorgung. Energie ausreichend, sicher und bezahlbar zu gewinnen, "wird bald eine existentielle Frage sein". Neben der Forschung "in allen Nuancen", also auch den alternativen, dürfe Deutschland seine Kompetenz bei der Kernenergie nicht opfern. Ein heikles Feld in den öffentlichen wie politischen Diskussionen, doch Petzold ist überzeugt, dass es für die Endlagerung des Atommülls eine Lösung gibt. "Die Helmholtz-Gesellschaft hat ein Verfahren entwickelt, die Abklingzeit der Brennelemente auf die von Natururan zu verringern." 600 bis 1 000 statt 100 000 Jahre: Für Petzold ein verheißungsvoller Ansatz.

Abseits ellenlanger Wahlprogramme fordert der Selbitzer zudem mehr Unterstützung für den Mittelstand, "denn den haben wir aus dem Blick verloren". Und wenn sich Arbeiterfamilien nicht mehr trauen, Kinder in die Welt zu setzen, laufe etwas schief. Es ist Petzolds sechster Bundestagswahlkampf, nur 1998 blieb er auf der Strecke. Platz vier auf der Landesliste klingt komfortabel, sollte es mit dem direkten Einzug nicht klappen. Doch der Selbitzer warnt vor den Unbilden der politischen Großwetterlage. Die könne unentschlossene Wähler beeinflussen.

Mitteldeutsche Zeitung, 11.09.2009

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