Probleme über Partei- und Ländergrenzen hinweg lösen
Ulrich Petzold (CDU) ist noch immer stolz auf das Bundestagswahlergebnis - SPD-Einbruch für Region furchtbar
DESSAU-ROSSLAU/MZ. Auf das Ergebnis, mit dem Ulrich Petzold im September erneut in den Bun destag einzog, ist er noch immer sichtlich stolz. "Wir haben hier in diesem Bereich das beste Ergebnis der CDU, das ein Einzelbewerber in Sachsen-Anhalt erreicht hat", erklärte er erst kürzlich bei der Nominierung Jens Kolzes für die Landtagswahl, "und sind auch die stärkste Partei geworden."
36 Prozent der Wahlberechtigten hatten Petzold ihr Vertrauen ausgesprochen. Damit holte der Christdemokrat das Direktmandat im Wahlkreis 71, zu dem der Landkreis Wittenberg und die Stadt Dessau-Roßlau gehören. Mit 30,5 Prozent folgte der Kandidat der Linken. Auch bei den Zweitstimmen lag die CDU mit 31,7 Prozent vor der Linken (31,2). Klar verloren hatte die SPD. Nachdem Engelbert Wistuba 1998, 2002 und 2005 das Direktmandat gewonnen und es 1998 Petzold abgenommen hatte, bekam Wistbuba diesmal nicht einmal ein Fünftel der Stimmen (18,4), seine Partei bei den Zweitstimmen gar nur 16,3 Prozent.
Die Folgen des sozialdemokratischen Einbruchs bezeichnet der CDU-Mann Petzold heute als "furchtbar". Denn die Region, und hier fasst Petzold den Begriff mal ganz weit mit Mittel- und gar Ostdeutschland hat Mandate verloren. "Engelbert Wistuba hat zum Beispiel im Tourismus eine sehr ordentliche Arbeit geleistet", anerkennt Petzold das jahrelange Engagement des Wittenberger SPD-Mannes, das auch hier vor Ort seinen Niederschlag gefunden hat. Von einer fruchtbaren und zuverlässigen Zusammenarbeit spricht Petzold, von einer sehr starken Vertretung gerade im Tourismusbereich, "so dass Engelbert Wistuba mir persönlich auch fehlt".
Auch wenn die Berliner Koalition inzwischen eine andere Konstellation vorsieht, will Petzold an den Kontakten zur SPD festhalten. Seit dem 1. Januar ist er CDU-Landesgruppenvorsitzender. Fünf Leute seien sie da, drei davon neu, die zwar mit anderen Abgeordnetenerfahrungen kommen, sich aber erst einarbeiten müssen. "Auf dieser Ebene werden wir auch mit der SPD zusammenarbeiten müssen", meint Petzold, um die Interessen des Landes wahrzunehmen. Das sei für ihn ganz entscheidend.
Überhaupt seien für ihn die Problemlösungen wichtig. Und für die gelte es Helfer zu finden. Über die Parteigrenzen und Ländergrenzen hinweg. "Egal ob SPD oder CDU, wir kennen uns, wir helfen uns." Wenn es um Windkraftanlagen zum Beispiel gehe, würden sich Verbündete in Baden-Württemberg finden, bei der Braunkohle in Nordrhein-Westfalen.
Gleiches gelte für den Koalitionspartner, die FDP. Dass der Beginn von außen als Fehlstart gesehen werden könnte, das räumt Petzold ein. Indes spricht er von einer wesentlich offeneren Diskussion untereinander als zuvor mit der SPD. Das gebe eben auch ein anderes Bild. Doch zähle, dass Probleme gelöst würden. Dafür habe man sich für vier Jahre aneinander gebunden.
Sein "Arbeitsfeld" belegt Petzold weiterhin im Umweltausschuss, in dem er sich als alter Hase heimisch fühlt. Im Wirtschaftsausschuss ist er stellvertretendes Mitglied, baut dabei auf die Verbindungen von Wirtschaft und Umwelt. Außerdem sieht er sich in der Haushaltsdiskussion stark eingebunden.
Dass die Aufgabenfülle in Berlin auch Kräfte- und Zeit-Konsequenzen nach sich zieht, das musste Petzold kürzlich doch eingestehen. Nach elf Jahren verlässt der Selbitzer den Kreistag Wittenberg. Als Vorsitzender der CDU-Landesgruppe sei er automatisch Mitglied im Fraktionsvorstand. Dessen Sitzungen finden immer Montagnachmittag statt, dem Beratungstag des Kreistages. Petzold bedauert die Mandatsrückgabe. "Ich habe es immer als wichtig empfunden zu wissen, was die Kreispolitik bewegt."
Gleichwohl fühle er sich durch die Kreisverbände und seine Termine vor Ort gut informiert. Auch was Dessau-Roßlau betrifft. Als Selbitzer ja noch eher Gräfenhainichener, sehe er sich sowieso nicht so sehr Wittenberg-zentriert. "Als Kind war für mich das Dessauer Theater das Theater überhaupt", erzählt er. "Junkers war mir bekannt." Und außerdem gebe es hier "die schönsten Fahrradwege im Land Sachsen-Anhalt".
Wittenberg und Dessau-Roßlau "verbindet viel mehr als sie selbst glauben", ist Petzold überzeugt und betrachtet seinen Wahlkreis als Bindeglied. "Ich bin der Bundestagsabgeordnete dieser Region hier, und das würden die Bürger auch so sehen."
von Carla Hanus, Mitteldeutsche Zeitung, Dessau-Roßlau, 10.02.2010
